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Dienstag, 22. März 2016

Time Out / The Great Escape

Es war mal wieder so weit. Die Nerven lagen blank, die Kraft war am Ende. Und die großen Aufgaben, die vor mir lagen, schienen von diesem Standpunkt aus nicht zu bvewältigen. Da gab es nur eins: Weg, und zwar möglichst weit. In eine Gegend nämlich, wo es auch im Februar heiß war. "Step on the gas and wipe that tear away", wie es auf Abbey Road so schön heiß, nur fuhren wir nicht mit dem Auto, sondern mit Bus und Bahn zum Flughafen, von wo aus uns ein Airbus 321 dahin flog, wo es gut ist.

Man braucht einige Zeit, um sich runterzugrooven, das entschleunigte Tempo des spanischen Alltags zu leben, das kalte Bier im warmen Atlantikwind zu genießen und zu wissen, dass man heute nichts mehr vor hat. Und morgen auch nicht. Und den Tag darauf auch nicht!

I am the Sea
Die See, und der Atlantik zumal, ist immer eine Verheißung. Wie es schon im ersten Kapitel von Moby Dick heißt, muss man zur See, wenn einen das Leben an Land krank macht. (Das war jetzt natürlich die Kurzfassung!) Und allein auf einem Felsen zu sitzen und dem Meer zuzuhören, wie es mit seinen ungezählten Wellen, von denen jede etwas anders klingt, an Land schlägt, führt zu einem Zustand des Glücks.

Can You See the Real Me?
Mit den Füßen das Wasser zu berühren, gibt Kraft. Viele Leute halten das für übertrieben, aber es ist so. Ich habe es ausprobiert. Unzählige Male. Und ich war natürlich schwimmen im Atlantik, was ein bisschen was von einem Jungbrunnen hatte.

Bell Boy
Und lesen. Ich habe in den zwei Wochen soviel gelesen, wie im letzten halben Jahr nicht. So ein Ausstieg aus dem alltäglichen Rattenrennen ist ja immer auch eine Rückbesinnung auf sich selbst, auf das, was man eigentlich will. Eigentlich wollte. Die Rückentdeckung der eigenen Prioritäten. Und der erstaunliche Blick zurück, der einem verrät, wie weit man sich in einigen Teilen davon entfernt hat.

Love Reign Over Me
In Teilen. Und ich möchte behaupten, dass ich mir in vielen Bereichen nahe geblieben bin. Aber nicht in allen Bereichen. Längst nicht in allen!

Horse With No Name
Wunderbar auch waren die Wanderungen über Vulkankrater und in absolut menschenleere Gegenden, in denen nur Wind zu hören ist, Vögel. Sonst nichts. Erstaunlich, wie ungewohnt uns so eine Art von akustischem Panorama ist!

On a Dark Dessert Highway ...
Natürlich ging es nach zwei Wochen wieder zurück mit dem gleichen A 321, der uns hingebracht hatte. Und es geht erstaunlich schnell, bis der Alltag einen wieder einverleibt.Aber ich habe einiges gerettet. Und das wird auch noch ein bisschen so bleiben.

Mittwoch, 30. September 2015

Sono tornato!







Zurück von der Insel. Schön war's. Und natürlich viel zu kurz.

Dienstag, 30. September 2014

In de kentering der tijden

Es hat etwas von "Aus der Welt sein", obwohl es nur einige hundert Kilometer von zu Hause weg ist. Urlaub im altehrwürdigen niederländischen Seebad. Dorthin nämlich zog es mich letzte Woche, nachdem auch die letzten Urlaubspläne zu zerrinnen drohten. Also flugs ein Hotel gebucht, die internationale Fahrkarte erstanden und ab. Da ich mit keinem Gefährt der Deutschen Bahn fahren musste, wurden alle Anschlüsse erreicht. So fuhr ich dann also durch niederländische Landschaften, nicht durch gemalte, sondern durch echte, bis ich nach etwa fünf Stunden in M. anlandete. Von dort aus dann den Bus zum Seebad.

Seestück


Man atmet hier freier, was auch mit der Seeluft zu tun hat.

Ich wohnte in einem Hotel, das seine besten Tage wohl schon hinter sich hatte. Für meine Zwecke aber war es perfekt. Ich packte mein leichtes Gepäck aus, schlenderte am Strand entlang, hörte den Wellen zu und ließ mir die dunklen Gedanken aus dem Hirn blasen. Dann schaute ich mir das alte und gleichsam alt vertraute Seebad an und freute mich.

Sie nächsten Tage hatte ich mir ein Aktivprogramm verordnet. So lief ich am 2. Tag meines Aufenthalts vor dem Hotelfrühstück fünf Kilometer am Strand entlang.Nach dem Frühstück ließ ich mich treiben, fuhr mit dem Bus, als gerade eine Bahn einfuhr, in die ich einstieg. Dann war da gerade diese Fähre ...

Leaving Flushing
Schließlich fand ich mich in Brügge wieder. Ich kannte diese Stadt aus meiner Kindheit. Damls war es ein etwas verschlafenes, spätmittelalterlich geprägtes Nest, wo Omas auf den Kopfsteinpflasterstraßen saßen und klöppelten. Heute ist es eine Touristadt mit Schokoladen-, Bier- und Nippesgeschäften, zudem mit all den Läden, die es überall auf der Welt gibt. Herausgeputzter. Immer noch schön, schöner vielleicht sogar, als damals. Immer noch geprägt vom latenten Wahnsinn. Aber irgendwie normaler. 

Brügge

Ein Lied kann eine Brügge sein

Über sieben Brüggen musst du gehn

Am Tag darauf dann wagte ich eine Radtour zu die Stätten meiner Kindheit. Die Strecke zurück in die Kindheit war auch ziemlich leicht zu bewerkstelligen. Dort aber fing es grimmiglich an zu regnen. Und bei der Rückfahrt ins Erwachsenenleben hatte ich kräftigen Gegenwind (Will mir das was sagen?). 

Als ich tags darauf, an meinem letzten Abend, wieder durch die Dünen laufen wollte, rächte sich das ungewohnt straffe Sportprogramm mit einem heftigen Ziehen in meiner linken Wade, die mich nach knapp zwei Kilometern zum Stehen brachte.

Selbstportrait mit Dünen

Der Rest des Urlaubs konzentierte sich dann mehr auf Fritiertses, langsame Strandgänge und dergleichen.

Und wie aus einem Traum aufgeschreckt, wachte ich plötzlich auf, und es war mein Abfahrtstag. Ich beglich die Rechnung im  David-Lynch-mäßigen Hotel, nahm meinen Felix-Koffer an die Hand und fuhr zurück, mit Zügen, die sich durch die Winde und den wieder einsetzenden Regen kämpfen.

Aber es war gut. mein Seelentotem, das Meer, wiederzusehen. Es war gut, den Kopf wenigstens ein bisschen frei gepustet zu bekommen. Hätten aber gerne noch zwei Wochen länger sein dürfen.

Let Me Take You to the Bridge

Ein Lied kann immer noch eine Brücke sein

Sie wendet sich ab

Mit Schaudern?

Mitnichten!

Samstag, 30. August 2014

Urlaub und dahinter

Die Tage werden nun schon wieder sichtlich kürzer, kalt und nass war es ja schon den ganzen August über. Und auch mein Urlaub geht jetzt seinem Ende entgegen. Schon lauert die Arbeit wieder aus allen Schubladen, dabei habe ich all das noch gar nicht geschafft, was ich in meinem Urlaub eigentlich machen wollte: Einen Videoclip fertig drehen, eine Kurzgeschichte zu Ende schreiben, ans Meer, ans Meer, ans Meer ... Immerhin war ich zweimal für einen halben Tag im Ausland: in der ersten Woche in Straßburg, in der zweiten Woche in Venlo. Was micht tröstet: Ende September gibt es noch einmal Urlaub. Vielleicht kommt da dann mehr Urlaubsgefühl auf. 

Das Straßburger Münster in nächtlicher Illumination (Ausschnitt)

Donnerstag, 20. März 2014

Holidays in the Sun

Ich war mal kurz weg. Ein bisschen Sonne kucken. Und vor allem: Die Füße ins Wasser stellen.

Meine Füße im Atlantik
Die nämlich hatte ich vorher durchaus heiß gelaufen, indem ich auf Vulkankraterrändern herumgelaufen bin - mit Segelschuhen, was ich als recht unbequem herausstellte.

Live long and prosper!
Trotzdem war ich dann nicht derjenige, der sich in ärztliche Behandlung begeben musste ...

Wie auch immer. Viel Morrissey gelesen habe ich sonst noch, am neuen Laughing-Mann-Album herumgedacht, die Nachrichten aus dem Osten verfolgt, all diese Dinge, die man so macht, wenn man im Urlaub ist. Eine neue Stammkneipe am südlichen Ende von Europa entdeckt. Mit dem Volkswagen durch wüstenähnliche Landschaften gefahren. All diese Dinge. Ein ziemlich kurzer Urlaub war das, aber ein Urlaub! Balsam für die wunde Seele.

Dienstag, 1. Oktober 2013

KW 39/2013

Montag ein voller Arbeitstag von 9 Uhr bis spät. Anschließend zr Abschiedsparty für E., der für ein Jahr nach Neuseeland fliegt. Hätte ich, ehrlich gesagt, auch nichts gegen. Zwischendurch Krisentreffen meiner Zweitband. Da die Co-Band sich aufgelöst hat, müssen wir den gemeinsamen Probenraum aufgeben. Das war es also erst einmal mit dem Krachmachen.

Dienstag und Mittwoch am Schreibtisch geknechtet, Wäsche gewaschen etc. Besuch aus Berlin für zwei Tage und zwei alkoholdurchtränkte Nächte ("Ich bin Prometheus, nur meine Leber wächst nicht nach!")

 Freitag Schreibtisch und Haushalt, Samstag noch einmal. Samstag Abend Geburtstagsessen. Wenn man jemanden zu seinem Geburtstag zum Essen einlädt, ist das ja auch nie so ganz uneigennützig. Aber ich finde das sehr okay.

Sonntag dann mit einem Fernreisebus für wenig Geld nach Straßburg, um J. zu besuchen. Die Reise ist konfortabel, das Personal nett. So ganz anders als bei der Bahn - meistens wenigstens.

Freue mich sehr, J. zu sehen. Schaue mir die Stadt an, so wie J. sie sieht. Wir gehen gemeinsam essen, und ich genieße es, wenn sie Französisch spricht. Mein Hotel ist etwas außerhalb, so dass ich abends eine kleine Flusswanderung machen muss.

Und mit meiner Ankunft im Hotel endet der Tag und die Kalenderwoche.

Arte-Zentrale

Europäisches Parlament

 
Nächtliches Treiben auf dem Platz beim Münster

Freitag, 20. September 2013

KW 37/2013

Ich weiß, ich weiß: Ich bin ein bisschen im Rückstand. Aber hier kommt nun endlich der Wochenreport zur 37. Kalenderwoche des Jahres. Um noch einmal kurz zu rekapitulieren, was bisher geschah: Meine Gefährtin und ich waren auf eine griechische Insel entrückt, um die übermäßigen Anstrengungen der letzten Monate abzuschütteln und uns der Entspannung hinzugeben. Und entspannend war es auch. Wir fanden heraus, wie das Bierkraut hieß, tranken aber auch sonst noch Bier und dergleichen, badeten in den blauen Gestaden des mittelländischen Meeres, und taten, was eben nur Touristen tun. 

An einem Tag mit 31°C im Schatten, heiß brüllender Sonne und immenser Luftfeuchtigkeit machten wir uns auf zu eiener Bergwanderung! Der erste Teil war heiß, aber okay, doch dann ging es auf Pfade, die zum Teil vom Regen weggespült worden waren, so dass man ziemlich wackelig über einer mehrere hundert Meter tiefe Schlucht kletterte. Und als ob das noch nicht genug der Gefahrensuche war, stieg der Weg dann auch noch über mehrere hundert Höhenmeter steil an. Ich erinnere aus dramaturgischen Gründen noch einmal kurz an die 31°. Im Schatten. Aber wir standen natürlich nicht im Schatten. Irgendwann auf diesem Anstieg schlug mir das Herz bis in den Hals. So muss man sich als alter Mann fühlen. dachte ich und rekapitulierte noch einmal kurz mein Alter meine Jugend. 

Später dann, nach endlosem Laufen, kamen wir schließlich in einem Bergdorf an und tranken die köstlichsten Getränke, die man sich vorstellen kann, denn nach so einer Tortur ist jedes Glas Wasser eine Offenbarung. Und dann machten wir uns auf den beschwerlichen Abstieg zu unserem Ort. Zum Glück hatte ein einheimische Ehepaar Mitleid - wir müssen auch ziemlich scheiße mitgenommen ausgesehen haben  - und nahm uns im Auto mit, so dass wir vollkommen erledigt auf unsere Hotelbetten fielen.

Den Rest des Urlaubs verbrachten wir ruhiger, mit Strandaufenthalten, langen Cafébesuchen und vielen schönen Büchern, die allmählich dick wurden vom Sand des Strandes und kleine Broschürchen gebaren, um mal frei Tudcholsky zu zitieren. Macht das mal mit euren E-Readern nach!

Am Freitag dann musste wir unsere verschlafene, ruhige, Insel verlassen. Leider. Ich hätte noch gut zwei Wochen da bleiben können. Aber mehr war nicht drin. Aus vielerlei Gründen.

Wir fuhren mit eienr Fähre zu einer großen Nachbarinsel, von wo aus wir am Montag nach Hause fliegen sollten, und übernachteten dort noch für das Wochenende in einem Hotel, das seine beste Zeit unterdessen seit den 1980er Jahren längst hinter sich hatte.  Und der Charme, den diese Unterkunft ausstrahlte, war noch nicht einmal morbide, sondern bestenfalls ranzig. Der Strand vor diesem Hotelwar: nun ja, sagen wir mal: von einer sehr diskreten Schönheit. Wenigstens war der drei Kilometer entfernte Ort P. einigermaßen nett. Nach unserer abgelegenen Insel bekamen wir vor lauter Tourismus-Spektakel einen kleinen Schrecken. Aber es war Tourismus-Spektakel der angenehmen Sorte. Im Ort lasen wir auf Hafenmolen und Caféstühlen, besichtigte antike und byzantinische Befestigungen und Burgen, aßen ausgezeichnet und besuchten eine Ausstellung zu langbeinigen Linguisten der Slavs & Tatars. Bei Letztgenannten muss ich ja imemr an weas zu essen denken. In den späten 60er Jahren war frisches Tatar ein Hit der Partygastronomie.




Es rührte sie so sehre ...

Bierkraut bleibt Bierkraut
Mythenforschung

Meer und Wald

Meer von oben

Meer von unten

Der Ort P.
Noch einmal P.

Nachts




Dienstag, 5. März 2013

KW 9/2013

Umzüge sind mir unangenehm. Ich habe nichts dagegen, dann und wann einmal den Wohnort zu wechseln. Aber ich hasse die damit einhergehende Unordnung, den Dreck, die Unzuverlässigkeit von Handwerkern, Farbe, Staub, Kontakt mit Kleingeistern bei Telefongesellschaften, die Erkenntis, dass kaum etwas so klappt wie geplant. Ich hasse die Nichtverfügbarkeit von Wohnungsteilen, dieses dauernde Putzen, das endlose Geldausgeben für Nüsse. Ich hasse das Räumen und Schleppen, den Blick hinter Kulissen, hinter die ich nie blicken wollte etc. Von all dem gab es diese Woche reichlich. Und nächste Woche geht's weiter.

Freitag, 23. September 2011

Urlaub Ende

Und schon ist er wieder vorbei. Das dicke Buch habe ich natürlich nicht zu Ende lesen können, bin aber immerhin schon auf Seite 1041! Und das Meer war schön blau, klar, die Sonne warm, Pinien und Feigenbäume verströmten ihren Duft, Wacholder breitete seinen Schatten über mir aus. Alles wunderschön. Und alles viel zu kurz ¡Aber holla!

Montag, 12. September 2011

Urlaub

Nachdem mich die Arbeit in den letzten Wochen ganz mürbe gemacht hat, bin ich jetzt mal ein paar Tage weg, um mir das Meer anzusehen, dicke Bücher zu lesen und in die Sonne zu kucken. Bis dann!


Sonntag, 27. Dezember 2009

Im Griff der schwarzen Hände

Kaum habe ich mal ein paar Tage frei, bemächtigt sich meiner eine böse Erkältung, die für ein solides Maß an Grund-Unwohlsein sorgt. Mein Kopf tut weh, mein Nacken schmerzt, mein Hals kratz, die Augen brennen. Ich fühle mich wie einer dieser Teenager, die da draußen rumlaufen, weil ich mich kaum länger als 20 Sekunden auf irgendwas konzentrieren kann. Deshalb endet dieser Text nun auch hier. Und ich leide jetzt still weiter ...

Mittwoch, 1. August 2007

Voyage de vacances

1. Tag
Es sollte ein Campingurlaub werden, wenigstens so etwas in der Art. Zu diesem Zweck mieteten meine wunderschöne Begleiterin und ich einen Minibus. Das hatten wir schonmal getan, und der VW Multivan, mit dem wir durch Italien gefahren waren, war uns tatsächlich so etwas wie ein Zuhause geworden. Diesmal aber gab es keinen Multivan; die Autovermietung unseres Vertrauens stellte uns einen Renault Traffic dahin, 2,5er Maschine, Diesel. Aber schließlich wollten wir ja nach Frankreich fahren, da war ein fronzösicher Minibüs natürlisch genau das Rischtigä. Doch schon als wir uns neues Wohnzimmer einrichten wollten, stellten wir fest, wie genial so ein Multivan eingerichtet ist. (Ja, lieber VW-Konzern, das hier ist Werbung! Bei Bedarf übermittle ich gerne mal meine Kontonummer!) Und wie schwer der Traffic zu verwandeln ist! Mit 769 Handgriffen entfernten wir die beiden Hinterbänke, und da war schon fast ein halber Urlaubstag zerronnen wie die Zeit bei Dali. Dann kauften wir im Baumarkt noch schnell eine elektrische Luftpumpe zum Aufblasen der Luftmatratze. So ein Ding wollte ih schon immer mal haben!
Schweißgebadet fuhren meine Begleiterin und ich schließlich am späten Mittag los. Allerdings wussten wir noch nicht so genau wohin. Eigentlich wollten wir ja in die Bretagne fahren, aber für dort hatte man ziemlich mieses Wetter angesagt. Also liebäugelten wir mit der französischen Mittelmeerküste, genauer, der Camargue: Sonne, Sommer, warmes Wasser. Wir gaben unser
Reiseziel ins Navigationsgerät ein - und lernten es hassen. Nicht nur kam es mit solch blöden Richtungangaben wie halbrechts aus den Boxen, wenn man von der Autobahn abfahren sollte, auch hatte es nur das Kartenmaterial für die Hauptrouten außerhalb Deutschlands auf der CD. Würde VW endlich mit der Knete rüberkommen, priese ich deren Navi in höchsten Tönen. Das hatte letztes Jahr selbst die kleinste Seitengasse des kleinsten italienischen Bergdorfs gefunden. Nun ja ...
In Luxenburg las mir meine Begleiterin aus einem Reiseführer vor. All die Vorzüge dieser Gegend hatte sie schon seit Trier genannt, nun aber kam der Satz, der mich im wahrsten Sinne des Wortes aus der Bahn brachte: "Es wird berichtet, dass die vielen Mücken im Sumpfgebiet der Carmague sehr aggressiv sind." Sumpfgebiet? Aggressive Mücken? Schon sah ich mich am Gelbfieber dahinsiechen und Malariaschübe erleiden.
"Sollen wir nicht lieber in die Bretagne fahren", frug ich meine Begleiterin, und zu meiner großen Freude sagte sie ja!
Also wechselten wir die Route, was mit unserem Kartenmaterial und dem minderbegabten Navi nicht so ganz einfach war. Aber wir schafften es!
Meine Begleiterin hatte mir das Fahren auf den Nationalstraßen empfohlen, was an sich auch sehr viel netter ist, als auf deutschen Bundesstraßen zu fahren, aber dennoch - geht es langsam. Wie oft ich an diesem Nachmittag hinter langsamen Lastern und trägen Traktoren hinterhergefahren bin, weil auf den nächsten 16 Kilometern Überholverbot herrschte, will ich gar nicht nachhalten. Und so schafften wir es dann nur bis zur Somme, in einen Ort namens Peronne, wo wir einen wasserumwobenen Campingplatz fanden.
Der Ort war ganz nett, der Campingplatz auch. Wir aßen zwar mäßig und tranken in einem Irish Pub, der nur französisches Bier führte, ebenfalls nicht gerade außerordentlich, aber ich schlief die erste Nacht in unserem mobilen Zuhause sehr gut (im Gegensdatz zu meiner Begleiterin, die vorm Motorenlärm der Kanalschiffe wachgehalten wurde).

2. Tag
Einigermaßen ausgeruht ging es wieder auf die Nationalstraße - gähn, schleich, langweil. Nach ein oder zwei Stunden aber bogen wir schließlich auf die Autobahn ab. Und das war eine gute Entscheidung,
Im Gegensatz zu Deutschland ist das Fahren auf französischen Autobahnen wesentlich entspannender. Da gibt es einmal eine Geschwindigkeitsbegrenzung, was schon mal verhindert, dass irgendwann so ein Spezi auf der linken Spur mit 240 Sachen angenagelt kommt, wenn man mit 130 einen LKW überholen will. Außerdem machen die Franzosen im allgemeienn Platz, wenn man den Blinker auf die linke Spur setzt und nicht die Lücken extraeng, wie das auf hieseigen Fernschnellstraßen gemeinhin geschieht. Insgesamt also ein sehr angenehmes Erlebnis, für das ich dann auch gerne ein paar Euro zahle. Wenn das die Deppen von der Straße hält, dann sollte man in Deutschland auch sofort eine PKW-Maut einführen. (Klappt aber wahrscheinlich nicht, weil die Deppen ja nicht selten die mit den dicken Autos sind.)
Da noch immer kein Geld vom Volkswagenkonzern geflossen ist, möchte ich hier aber auch einmal die Vorzüge des Traffic preisen. Mit seiner 2,5 Liter Dieselmaschine fuhr sich der kleine Bus schon recht spritzig, und auch wenn er nicht so wendig war, wie die VW-Konkurenz, so stellte das in Frankreich kein Problem da. Gab es doch überall reichlich kostenlose (!!!) , großzügig bemessenen Parkplatz.
Am Nachmittag kamen wir schließlich in der Bretagne an - und wurden erst einmal von einem abartigen Regenschauer begrüßt. Offfensichtlich waren ddas die Ausläufer jenes Tiefs, dass gerade dabei warEngland zu fluten ... Die Scheibenwischer auf maximale Frequenz geschaltet, bereute ich schon, dass ich mich für die Bretagne stark gemacht hatte. Eine Reue, die ein wenig unterstrichen wurde von einem kleinen Badeörtchen, das im Sonnenschein nach dem Regen für meinen Geschmack zu süßlich aussah.
Meine Begleiterin, die vor 20 Jahren schon einmal in der Gegend gewesen war, lotste uns in einen anderen Ort, bzw. auf einen Campingplatz, der zu einem anderen Ort gehörte, den ich aber noch nicht zu sehen bekam. Die Campingplatz-Mitarbeiter wiesen uns einen Stellplatz an, der auf einer terassierten Wiese oberhalb des Strandes lag. Nett. Allerdings wirkte unser kleiner Bus zwischen den Riesengefährten und/oder Zelten der professionellen Camper ein wenig mager.
Wir besichtigten den Strand, der ebenfalls ganz nett war. Auch die Landschaft wirkte nett. Aber wahre Begeisterung wollte sich nicht einstellen. Das lag nicht zuetzt auch an dem etwas spröden Charme, den dieser Campingplatz verbreitete.
Nach eine Strandspaziergang fuhren wir in den Ort, zu dem der Campingplatz gehörte. Und der war wirklich schön. Eine frankokanadische Band führte einen Soundcheck durch. Sie spielten etwas, was sich ein bisschen nach Cajun-Musik anhörte und an diesen schönen deutschen Film erinnerte, auf dessen Titel ich jetzt gerade alerings nicht komme [edit: Schulze gets the Blues]. Meine Begleiterin kaufte von einer Frau, die im Bandbus saß und Pizza aß, direkt eine CD.
Bald entdeckte ich "Shopi", einen Supermarkt, in dem ich mich über die Lebensmittelprodukte des Landes informierte. Nicht nur das Weinregal sah hier verlockend aus. Leider schloss der Laden gerade; es war 20 Uhr. Und höchte Zeit essen zu gehen!
Das Restaurant, das meine Begleiterin aussuchte, entsprach nicht gerade meinen Vorlieben. Sowohl die Deko als auch die Karte waren nicht nach meinem Geschmack. Ich fühlte mich leicht unbehaglich in diesem überkandidelten Ambiente, ein Eindruck, der dadurch verstärkt wurde, dass ich die Landessprache nicht beherrsche, so dass ich nicht genau wusste, was überhaupt um mich herum geschah.
Dass wir trotzdem gut aßen, war daher vor allem meiner Begleiterin zu vedanken, die in der Schule diese Vokalklumpen zu meistern gelernt hatte, während ich mich der reinen Lehre der lateinischen Sprache verschrieben hatte. Das ist übrigens eine ganz eigene Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden mag.
Zurück auf dem Campingplatz richteten wir uns in den sauberen, aber abghalfterten sanitären Anlagen zur Nacht ein, die uns erneut mit Regen erfreute, der auf das Dach unseres Traffics trommelte. Irgendwann kam meine Begleiterin auf die Idee, ein wenig Luft aus der Doppelluftmatratze zu lassen, damit sie weicher würde. Das war ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellte. Denn ab diesem Zeitpunkt ließ die Luftmatratze kontinuierlich ein wenig von ihrem ersten Namensbestandteil. Irgendwann um 1:30 Uhr wurde ich wach: Frierend lag ich auf einer luftlosen Matratze. Mist! Zwar hatten wir ja die automatische Pumpe, aber das Ding machte auch einen Höllenlärm, und somit schied eine Benutzung auf dem Campingplatz um 1:30 Uhr aus. Also setzte ich mein komplettes Lungenvolumen ein, um die Matratze wieder aufzupumpen. Und legte mich wieder schlafen. Eine Stunde später aber lag ich schon wieder auf eisigem Eisen. Die Nacht war eindeutig im Eimer. Das spürte ich. Ich wälzte mich bis zum frühen Morgen noch hin und her; dann stand ich auf und setzte mich ans Meer. Die Wellen verstanden mich. Wenigstens die Wellen! Ich hatte keine Lust merh auf diesen Urlaub. Nächstes Mal fliege ich zwei Wochen nach Ibizza, all inclusive!

3. Tag
Als auch meine Begleiterin aufgewacht war, frühstückten wir gemeinsam und sahen, wie intensiv bereits die Beziehung junger Franzosen zu ihren landestypischen Nahrungsmitteln sind.

Die Nacht saß uns im wahrsten Sinne des Wortes in den Knochen. Wir entschlossen nach Hause zu fahren! Sofort. Wir verlangten die Rechnung auf dem Campingplatz, und nachdem ich mir ein paar Spritzer kalten Wassers ins Gesicht gespritzt hatte, war ich einigermaßen munter. Also fuhren wir.
Auf dem Weg zur Autobahn wollte mir meine Begleiterin noch eine landschaftlich schöne Stelle zeigen, die sie vor 20 Jahren kennengelernt hatte. Und so fuhren wir noch ein Stück an der Küste entlang. Dort angekommen, brachen meiner Begleiterin Jugenderinnerung aus. Als wir an dem Strand waren, wo auch sie damals gewesen war, erzählte sie mir die Geschichte ihres damaligen Aufenthalts, und mir war klar, dass wir auf jeden Fall noch bleiben mussten. Außerdem besserte sich das Wetter zunehmend. Und die Gegend war wirklich schön! Als meine Begleiterin dann auch noch das Dorf entdeckte, in dem sie vor 20 Jahren gewohnt hatte, revidierten wir unseren Entschluss nach Hause zu fahren und suchten uns ein Zimmer.
Wir folgten einem Schild, dass auf eine Zimmervermietung hinwies: Ein kleines, typisch brentagnisches Felshaus, bewaschen mit Blumen, abseits gelegen, sehr idyllisch. Und dieses kleine Haus erwies sich als absoluter Glücksfall. Nette Leute mit einem liebevoll eingerichteten Haus, in dem sie zum erschwinglichen Kurs Zimmer vermieteten. Und weil der Mann aus dem Elsass stammt und die Frau ursprünglich aus Lübeck, sprachen beide auch Deutsch, was mir enorm entgegen kam.
Nachdem wir das Haus gefunden hatten, machten wir uns auf die Suche nach dem Ferienhaus, in dem meine Begleiterin damals gewohnt hatte, und auf die Suche erzählte sie die seltsamen Geschichten, die mit diesem Urlaub verbunden waren. Abends dann, nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, fuhren wir in einen größeren Ort, um dort zu essen. Auf dem Weg dorthin ein Déjà-vu: ein durch Ebbe leeres Meeresbecken, das aussah wie ein ausgetrocknetes Flussbett, an dem ich schon einmal vorbeigefahren bin: im Traum, in Wirklichkeit? Keine Ahnung! Die Sache ist mir ein wenig mulmig.
In der kleinen Stadt angekommen, schüttete es wie aus Kübeln und zerregnete erst einmal einen kleinen Straßenmarkt. Der einzige Bankautomat am Orte akzeptierte meine EC-Karte nicht, auch er war wohl feuchtigkeitsanfällig, und es schien ein sehr schlechter Start in den Abend zu sein.
Dann aber fanden wir ein nettes kleines Restaurant, das uns mit allem wieder verwöhnte. Wir verbrachten einen wunderbaren Abend mit wunderbarem Essen, und guten Mutes fuhren wir spät zurück in unser Gästezimmer ...

4. Tag
Die Begleiterin hatte Geburtstag, und die vielen Luftballons, mit denen ich den Bus fluten wollte, schwebten nun durch das Gästezimmer.
Ein liebevolleres Frühstück wie hier habe ich selten gesehen. Und freundlichere Gastgeber auch nicht! Wir unterhielten uns. Neben uns frühstückte ein Paar aus Österreich, das uns von einem großartigen Wanderweg erzählte, den wir ebenfalls zu besuchen beschlossen. Es handelte sich um eine felsige Landzunge, heidelandschaftlich bewachsen. Während wir hinfuhren, brach sich die Sonne bahn, und so liefen wir durch einen angenehmen Sonnenschein zwischen blaumem Meer, grauen Felsen, rosa- und gelbfarbenen Blüten und weißem Strand. Jetzt begann die Erholung, die ich mir für diesen Urlaub gewünscht hatte. Wir liefen einige Stunden, bis wir zurück zum Auto gingen, und zurück in den Ort fuhren, in dem wir schon am ersten Tag waren. Wir schauen uns den Hafen an, ich aß ein scheußlich schmeckendes Softeis und fand es bedauerlich, dass dies unser letzter richtiger Urlaubstag war.
Abends fuhren wir, nach einem ausgedehnten Strandbesuch, den meine Begleiterin zum Baden nutzte (und ich zum Schlafen) wieder in das nette Restaurant vom Vortag, und wieder verbrachten wir dort einen grandiosen Abend.

5. Tag
Nach einem wieder unglaublich tollem Frühstück und einer ebensolchen Unterhaltung fuhren wir noch ein wenig einkaufen und machten uns dann auf den viel zu langen Heimweg. Hatte ich schon über die Vorteile französischer Autobahnen gesprochen? Noch nichts gesagt habe ich aber von den eindrucksvollen Brückenkonstruktionen über die Seine-Mündung und den Grand Canal bei Le Havre. Sehr eindrucksvoll!
In Mons/Belgien legten wir einen Zwischenstopp ein, um in einem chinesischen Restaurant zu essen. Mons ist eine lustige Kombination von nettem Stadtkern und grandiosen Geschmacklosigkeiten jeder Art, architektonisch und innenarchitektonisch. Und der Belgier an sich fährt auch ziemlich gewagt Auto. Der Eindruck drängte sich mir jedenfalls auf, und zwar in Gestalt wild hupender und cruisender Jugendlicher.
Und während wir später dann, gesättigt und ein bisschen melancholisch, die noch nicht beleuchteten Autobahnen entlangfuhren, da dämmerte es uns mit brutaler Klarheit: Unser Urlaub war nicht nur kurz, sondern auch zu kurz. Bonsoir!

Montag, 16. Juli 2007

Sonntag, 17. Juni 2007

Extreme BBQing an Bloomsday

Viel Rauch. Aber das Ergebnis ist äußerst zufriedenstellend!


Später musste dann der unbehandelte Ikea-StuhlFußaufsatz dran glauben.