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Dienstag, 25. August 2015

Siebzehn Sekunden

Ein sonniger Augusttag auf dem Marktplatz in Middelburg, NL. Auf dem bunten Karussel drehen sich die Kinder vergnügt im Kreis. Aus den Boxen läuft dazu "Seventeen Seconds" von The Cure.

Nicht Middelburg, aber nahe dran.

Dienstag, 30. September 2014

In de kentering der tijden

Es hat etwas von "Aus der Welt sein", obwohl es nur einige hundert Kilometer von zu Hause weg ist. Urlaub im altehrwürdigen niederländischen Seebad. Dorthin nämlich zog es mich letzte Woche, nachdem auch die letzten Urlaubspläne zu zerrinnen drohten. Also flugs ein Hotel gebucht, die internationale Fahrkarte erstanden und ab. Da ich mit keinem Gefährt der Deutschen Bahn fahren musste, wurden alle Anschlüsse erreicht. So fuhr ich dann also durch niederländische Landschaften, nicht durch gemalte, sondern durch echte, bis ich nach etwa fünf Stunden in M. anlandete. Von dort aus dann den Bus zum Seebad.

Seestück


Man atmet hier freier, was auch mit der Seeluft zu tun hat.

Ich wohnte in einem Hotel, das seine besten Tage wohl schon hinter sich hatte. Für meine Zwecke aber war es perfekt. Ich packte mein leichtes Gepäck aus, schlenderte am Strand entlang, hörte den Wellen zu und ließ mir die dunklen Gedanken aus dem Hirn blasen. Dann schaute ich mir das alte und gleichsam alt vertraute Seebad an und freute mich.

Sie nächsten Tage hatte ich mir ein Aktivprogramm verordnet. So lief ich am 2. Tag meines Aufenthalts vor dem Hotelfrühstück fünf Kilometer am Strand entlang.Nach dem Frühstück ließ ich mich treiben, fuhr mit dem Bus, als gerade eine Bahn einfuhr, in die ich einstieg. Dann war da gerade diese Fähre ...

Leaving Flushing
Schließlich fand ich mich in Brügge wieder. Ich kannte diese Stadt aus meiner Kindheit. Damls war es ein etwas verschlafenes, spätmittelalterlich geprägtes Nest, wo Omas auf den Kopfsteinpflasterstraßen saßen und klöppelten. Heute ist es eine Touristadt mit Schokoladen-, Bier- und Nippesgeschäften, zudem mit all den Läden, die es überall auf der Welt gibt. Herausgeputzter. Immer noch schön, schöner vielleicht sogar, als damals. Immer noch geprägt vom latenten Wahnsinn. Aber irgendwie normaler. 

Brügge

Ein Lied kann eine Brügge sein

Über sieben Brüggen musst du gehn

Am Tag darauf dann wagte ich eine Radtour zu die Stätten meiner Kindheit. Die Strecke zurück in die Kindheit war auch ziemlich leicht zu bewerkstelligen. Dort aber fing es grimmiglich an zu regnen. Und bei der Rückfahrt ins Erwachsenenleben hatte ich kräftigen Gegenwind (Will mir das was sagen?). 

Als ich tags darauf, an meinem letzten Abend, wieder durch die Dünen laufen wollte, rächte sich das ungewohnt straffe Sportprogramm mit einem heftigen Ziehen in meiner linken Wade, die mich nach knapp zwei Kilometern zum Stehen brachte.

Selbstportrait mit Dünen

Der Rest des Urlaubs konzentierte sich dann mehr auf Fritiertses, langsame Strandgänge und dergleichen.

Und wie aus einem Traum aufgeschreckt, wachte ich plötzlich auf, und es war mein Abfahrtstag. Ich beglich die Rechnung im  David-Lynch-mäßigen Hotel, nahm meinen Felix-Koffer an die Hand und fuhr zurück, mit Zügen, die sich durch die Winde und den wieder einsetzenden Regen kämpfen.

Aber es war gut. mein Seelentotem, das Meer, wiederzusehen. Es war gut, den Kopf wenigstens ein bisschen frei gepustet zu bekommen. Hätten aber gerne noch zwei Wochen länger sein dürfen.

Let Me Take You to the Bridge

Ein Lied kann immer noch eine Brücke sein

Sie wendet sich ab

Mit Schaudern?

Mitnichten!

Samstag, 30. August 2014

Urlaub und dahinter

Die Tage werden nun schon wieder sichtlich kürzer, kalt und nass war es ja schon den ganzen August über. Und auch mein Urlaub geht jetzt seinem Ende entgegen. Schon lauert die Arbeit wieder aus allen Schubladen, dabei habe ich all das noch gar nicht geschafft, was ich in meinem Urlaub eigentlich machen wollte: Einen Videoclip fertig drehen, eine Kurzgeschichte zu Ende schreiben, ans Meer, ans Meer, ans Meer ... Immerhin war ich zweimal für einen halben Tag im Ausland: in der ersten Woche in Straßburg, in der zweiten Woche in Venlo. Was micht tröstet: Ende September gibt es noch einmal Urlaub. Vielleicht kommt da dann mehr Urlaubsgefühl auf. 

Das Straßburger Münster in nächtlicher Illumination (Ausschnitt)

Sonntag, 6. April 2014

Drei Tage Zeeland

Noch einmal Urlaub, diesmal in Zeeland, meine zweite Kinderstube, wenn man so will. Die Nordsee ist mir immer schon ein magischer Ort gewesen, an dem man sich selbst wunderbar justieren kann, indem man gegen die lauten Wellen anschreit zum Beispiel oder ihnen einfach zuhört oder ihnen Namen gibt. Wie großartig ist es, wenn mit dem auflaufenden Wasser all die menschlichen Spuren nivelliert werden, um aufzuräumen und Neuem Platz zu machen. Auch die Gedanken scheinen hier gerader zu werden - glänzender, salzgereinigt. Der Geruch der Luft allein ist Medizin für Geist und Seele. Und dieses dem Meer abgerungene, bescheidene Zeeland ist ein so wunderbarer Ort, um sich auf kleinere und wichtigere Dinge zu besinnen. 

O, ich erinnere mich noch daran, wie enttäuscht ich war, als ich zum ersten Mal in meinem Leben die Ostsee sah. Keine Gezeiten. Kein echter Geruch. Kein Tosen und Brausen. 

Und vom deutschen Festland aus ist die Nordsee als solche ja auch nicht wirklich zu sehen. Da muss man schon auf die Inseln fahren, um das Gefühl zu bekommen an der See zu sein. Oder nach St. Peter Ording gefahren werden.

Ich aber wollte nach Zeeland. Weil das Wetter so wunderbar war, meine Gefährtin nicht reisen kann und ich noch ein paar Tage Urlaub hatte, buchte ich kurz entschlossen ein Hotel und kaufte ebenso kurz entschlossen ein Zugfahrkarte. Und los ging es - drei Tage Richtung Westen.

Im Vergleich zu Fuerteventura war das Wasser unglaublich kalt. Dennoch gab es hier und da einen abgehärteten Alten oder eine ebenso kühne wie hübsche Jungfer, die sich in die Fluten stürzten. Ich begnügte mich damit, die Füße ins Wasser zu halten, endlos am recht leeren Strand entlang zu spazieren, den Wellen der Noordzee zuzuhören - und dieser Sprache, die für mich immer mit Urlaub zu tun hat. 


Nordsee mit Hund

Nordsee mit Sand

Was so leuchtet da hinten ist England

There Is A Light That Never Goes Out

Aus frischen Kartoffeln zubereitete Schnellspeise nebst Beilage und Getränk

Paal 23


Wave Good-Bye (so habe ich diese kleine Welle getauft)

Haben sich im 13. Jahrhundert aufgebaut
Haben sich weitestgehend im 20. Jahrhundert aufgebaut

Montag, 24. Mai 2010

Tag am Meer

Whenever I find myself growing grim about the mouth; whenever it is a damp, drizzly November in my soul; whenever I find myself involuntarily pausing before coffin warehouses, and bringing up the rear of every funeral I meet; and especially whenever my hypos get such an upper hand of me, that it requires a strong moral principle to prevent me from deliberately stepping into the street, and methodically knocking people's hats off- then, I account it high time to get to sea as soon as I can.
(Herman Melville)

Soon we'll be away from here.
Step on the gas and wipe that tear away.
(Lennon/McCartney)

DOM-006

Manchmal geht es einfach nicht anders: den Wecker gestellt und noch einmal gezuckt ob der frühen eingestellten Weckzeit. Am nächste Morgen dann raus, einen starken Kaffee gemacht und ab hinter das Steuer der Flunder, den nächsten Weg zum Meer.
Dieses begrüßt mich mit jenem wunderbaren Geruch, den ich seit zwei Jahren vermisst habe.

Ich habe den Tag am Meer verbracht und wirklich jede Minute genossen. Und am Abend habe ich sogar noch da vorbei geschaut, wo ich so manche Sommerferien meienr Kindheit verbracht habe. Eine komplett andere Welt inzwischen. Aber sie ist noch da.

Meinen Kurzdokumentarfilm über badende Möwen in HD gibt es bei Gedsudski TV. Und ein paar Bilder im fotografischen Gedächtnis.

Sonntag, 2. März 2008

Ein Samstag im benachbarten Ausland

Will man mal die hässliche Fratze deutscher Lebensart in nuce sehen, so begebe man sich samstags ins niederländische Grenzstädtchen Venlo, und zwar unbedingt mit der Deutschen Bahn. Empfehlenswert ist der im Volksmund als Kifferexpress bekannte Maas-Wupper-Express, für den die Bahn wohlweißlich noch ältere Wagen einsetzt, als sie es ohnehin schon zu tun pflegt. Allein die Vielfalt der Gerüche in diesem Zug verschlägt einem den Atem. Von der pampigen Unfreundlichkeit, ignoranten Doofheit und bauernschlauen Dreistheit der meisten Mitreisenden will ich gar nicht reden ...

Ich aber wollte eigentlich gar keine Volkskunde betreiben, sondern war auf der verzweifelten Suche nach unvernusster Schokocreme, die man in Deutschland ja nicht mehr kaufen kann, seit die Firma Zentis im Rahmen irgendeines Optimierungswahns die geniale Alpenmilch Schokocreme aus dem Programm gekegelt hat. (Schriftliche Anfragen an die Firma blieben übrigens bis dato unbeantwortet: Die Arroganz der Macht!) Nachdem ich meine Begleiterin aus dem Venloer Zentrum und somit der von deutschen Grenzgängern dominierten Zone herausgelockt hatte, machten wir uns auf den Fußmarsch zum nächsten Albert Heijn, der etwas weiter außerhalb und in leicht trister Umgebbung liegt. Hier kaufte ich nicht nur 10 Gläser Schokocreme und diverse Gläser Satesoße, sondern auch unten abgebildeten Roze Koeken - einfach der Schönheit der Farbe wegen. Klar, dass man mit dem Produkt quasi auch den ganzen Katalog erlaubter chemischer Zusatzstoffe nach den Gesetzen der EU erwirbt, und zwar als Inhaltsaufdruck.

Die Rückfahrt war nett, weil wir Menschen trafen, die wir a) kannten und b) sich positiv vom Rest der Reisenden (siehe oben) abhoben, also quasi die Thomas Manns der Gegenwartskultur.

Und jetzt gehe ich frühstücken!


I never promised you a roze koeken!*

Den Weg nach Deutschland verschönt die Deutsche Bahn.

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* Ich weiß, roze heißt nicht Rose. Aber für einen Kalauer bemüht man auch schon mal einen falschen Freund!