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Montag, 16. Mai 2016

Irgendwas mit Trans

Seit mir Frau Gedsudski vor drei Jahren Sämtliche Gedichte von Tomas Tranströmer geschenkt hat, liegt das unscheinbare Hanser-Buch bei mir im Regal und wartet. Und erst vor ein paar Tagen habe ich das Buch aus dem Staub geschält, der sich inzwischen darauf abgelagert hat, und habe gelesen.

Wirklich viel habe ich natürlich nicht erwartet. Schwedische Lyrik. Na ja. Und dann noch übersetzt. Und dann noch der Literaturnobelpreis. Doch dann zog es mir ganz schnell den Boden unter den Füßen weg. Tranströmers Lyrik ist, als wenn man an einem schwülheißen Tag in einem Gebirgsbach badet, dessen eiskaltes Wasser einen überströmt* und sofort Kopfschmerzen verursacht, aber dabei unendlich erlösend wirkt. Tranströmers Lyrik ist ein eiskalter Gebirgsbach in der Sommerhitze.

Da ich kein Schwedisch kann, weiß ich nicht, ob die Gedichte von Hanns Grössel gut übersetzt worden sind. Was ich aber beurteilen kann ist das, was im Deutschen herauskommt. Und das ist großartig geworden. Grössel hat ein Gefühl für die deutsche Sprache, das vielen Überträgern von Lyrik abgeht.

Ich will nicht lange weiterschwärmen und empfehle einfach nur den Kauf des kleinen Bändchens mit einem nobelbepreistem Gesamtwerk von 247 Seiten. [Tomas Tranströmer: Sämtliche Gedichte. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel. Edition Akzente. München: Carl Hanser, 1997. Knapp 20 Euro. Für etwa 13 Euro gibt es inzwischen bei Fischer eine erweiterte Taschebuchausgabe: In meinem Schatten werde ich getrragen. Aber dessen Umschlag ist sauhässlich.]

Hier ein kleines Beispiel. Eine Strophe nur:

Ein plötzlicher Durchzug, und die Gardine flattert.
Die Stille läutet wie ein Wecker. 
Ein plötzlicher Durchzug, und die Gardine flattert.
Bis fernab zu hören ist, wie eine Tür zuschlägt,

weit weg in einem anderen Jahr.




* Man ist versucht, transströmt zu schreiben.

Samstag, 16. Mai 2015

Selbstinterview (2) The Laughing Man, Grass, Capote und so weiter

Redakteur: Wollten Sie nicht noch etwas zu unterbewerteten Bands zu Protokoll geben?

Herr Gedsudski: Ja, ganz genau. Das ist mir ein großes Anligen.

Redakteur: Nun, welche Bands würden Sie denn zu dieser Gruppe von Bands zählen.

Herr Gedsudski: Ach, da gibt es schon verdammt viele. Mir am meisten am Herzen liegen natürlich - wie könnte es anders sein - the Laughing Man. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass ich in dieser Band spiele. Wir machen Indie-Musik vom Allerfeinsten, aber erstaunlicherweise verkaufen wir nicht ganz so viele Alben, wie wir uns das wünschen würden.

Redakteur: Und woran mag das liegen?

Herr Gedsudski: Der Hauptgrund ist wahrscheinlich, dass die Promoabteilung unserer Plattenfirma nur aus echten Helden besteht. Das sind die besten Leute ihrer Zunft. Denen macht echt keiner was vor. Leider ist die zweite unterbewertete Band, die ich erwähnen wollte, auch auf diesem Label. Ich spreche von der Band The Ready-Mades, wo ich nämlich auch mitspiele. Ich bin der Bassist.

Redakteur. Das ist schön. Und klingt die eine Band dann wie die andere?

Herr Gedsudski: Nein, überhaupt nicht. The Laughing Man ist meine Band, die habe ich maßgeblich geprägt, bilde ich mir ein sagen zu dürfen. The Reday-Mades haben eher andere geprägt. Okay, mein Bassspiel ist natürlich unverwechselbar, aber ansosnten prägen eher Isi mit seiner Stimme und Simple mit seinem recht unverwechselbarem Gitarrenspiel die Band.

Redakteur: Reicht denn eine Band nicht aus?

Herr Gedsudski: Definitiv nicht. Beide sind mir musikalische Heimat. Oder, um mal an Grass zu erinnern, dem ich übrigens sehr vieses zu verdanken habe im schreibenden und lesenden Bereich: Beide sind musikalische Heimat mir. Ich mochte ihn übrigens, den Günther, auch wenn sein Ego recht groß war, wie wir anlässlich seines Todes zum Beispiel im Spiegel lesen durften. Er war einer der wenigen deutschsprachigen Autoren seiner Zeit (und das gilt heute wohl in vielen Fällen noch genauso), der sich aus der recht gemächlichen, miefigen Nachkriegsprosa entfernte, die von Böll oder Walser oder Lenz geschrieben wurde. Der einzige mitunter, der internationales Niveau erreichte, zumindest zeitweise. Insofern würde ich jetzt gerne eine Gedenkminute einlegen für Günther Grass, den der große Schnitter nun dahingemäht hat.

Redakteur: Okay. (Schweigt eine Minute lang, während er auf seine funkgesteuerte Casio Wave Ceptor Tough Solar Funkuhr schaut.) So, die Minute ist vorbei.

Herr Gedsudski trutzt den Stürmen
Herr Gedsudski: Fein.

Redakteur: Wie sind Sie eigentlich auf diese merkwürdige Idee mit den Selbstinterviews gekommen. Haben Sie niemanden mehr, mit dem Sie sprechen können?

Herr Gedsudski: Och, schon. Aber ich finde es bestechend, wenn jemand immer die richtigen Fragen stellt. Insofern; Ganz ganz herzlichen Dank, lieber Herr Redakteur. Nein, aber die Idee ist wahrscheinlich schon etwas älter. Mir sind Selbstinterviews das erste Mal untergekommen, als ich mir anno 1983 in London Truman Capotes Music for Chameleons kaufte. Ein Buch, das mich etwa genauso geprägt hat wie Grass, aber natürlich anders. 1983 war außerdem eine magische Zeit. Ich war wahrscheinlich literarisch nie wieder so aufnahmefähig, wie in diesem Jahr. Wie auch immer. In Music for Chameleons führt Capote auch ein Selbstinterview. Wow, dachte ich damals, inzwischen irgendwo in Aachen gelandet, wo ich von London aus hingereist war. So was muss man sich auch erstmal trauen. Sie sehen, ich habe fast dreißig Jahre gebraucht, um mich das zu trauen.

Herr Gedsudski anno 1983 in Aachen.
Links und rechts von ihm steht
nicht Truman Capote. Der liegt
in der mitgeführten Tasche

Redakteur: Nun, das mag ein schönes Schlusswort sein für das heutige Interview. Reizend sehen Sie auf diesem alten Foto aus. Diese von Lennon inspirierte Brille. Wer sind denn die Menschen, die links udn rechts von Ihnen stehen?

Herr Gedsudski: Das wäre wieder eine andere Geschichte, lieber Herr Redakteur. Aber die mag ein anderes Mal erzählt werden.

Sonntag, 16. Februar 2014

Nerven zeigen

Nornmalerweise kann man das, was der Herr Wigger bei Spiegel Online an Musik empfielt, getrost von der "to hear"-Liste streichen. Der Mann hat es einfach nicht drauf. Letztens aber war eine CD dabei, die einen kleinen Glücksfall deutscher Indie-Musik präsentiert. Ich spreche von Die Nerven, einer schwäbischen Post-Post-Post-Punkband, bestehend aus drei Typen, von denen einer auch noch Kevin heißt. Und ausgerechnet die klingen in ihren besten Augenblicken so frisch und unverbraucht wie seinerzeit die junegn Fehlfarben beispielsweise.

Dass sie dabei das Rad nicht neu erfinden, tut nicht wirklich etwas zur Sache. Rock'n'Roll kann man auf verschiedene Arten spielen, und die Nerven haben sich eben für eine entschieden. Doch die Texte passen, sind stellenweise durchaus poetisch, und die Musik schafft es in guten Augenblicken, jene räumliche Tiefe auszuloten, die an der Scheide zwischen den 70ern und den 80ern gute Popmusik ein paar Jahre lang beherrschte, eine Tiefe übrigens, die bis heute ausschließlich europäischer Musik vorbehalten ist, wahrscheinlich, weil Amerikaner ihre Musik ganz anders denken. (Eine kleine Ausnahme sind vielleicht dann und wann Warpaint.)

Das Album Fun besteht as 10 Songs mit einer Gesamtspielzeit von 36:09 Minuten. Etwa die Hälfte davon ist Posing, aber die andere Hälfte sind versteckte Diamanten, und wenn mich jemand fragt: Ja, der Kauf dieses Tonträgers lohnt sich.

Nerven-Posing
Lieblingsalbum von Kevin

Anspieltipps: "Blaue Flecken", "Nie wieder scheitern".

18.02. Leipzig, Conne Island
19.02. Berlin, Monarch
20.02. Hamburg, Uebel & Gefährlich
21.02. Köln, King Georg
22.02. Wiesbaden, Schlachthof.

Montag, 20. Januar 2014

Der Arno wird heut' hundert Jahr

Herzlichn Glückwunsch, A:no!

Der Geburtstagsartikel in der FAZ beweist einmal mehr: Dietmar Darth weiß viel, vermengt aber einiges, was nicht zwingend zusammengehört, und kann leider nicht gut schreiben.