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Donnerstag, 1. März 2018

Internet-Zuhause

Hallo. Ich habe dich beobachtet, wie du hier etwas verloren vor dem Zaun herumgeirrt bist, dich fragend, was das hier ist oder soll. Dies hier war mal mein Internet-Zuhause. Als man noch ein Zuhause hatte im Internet. Inzwischen bin ich ausgezogen. Nur ab und zu komme ich einmal vorbei, um nach dem Rechten zu zu sehen, etwas staubzuwischen und den Kaktus zu gießen. Denn irgendwie hänge ich an diesem alten Internet-Zuhause. Natürlich nur aus Sentimentalitätsgründen. Es gab Jahre, da war hier richtig was los. Ich weiß, das kann man sich heute gar nicht mehr so recht vorstellen. Inzwischen ist die Luft hier abgestanden und die ersten Lampen gehen schon kaputt. Sind übrigens noch echte Glühbirnen drin. Wenn ich das nächste Mal den Kaktus gieße, dann muss ich mal so eine Palette LED-Birnen mitbringen. Hier gibt es übrigens sogar eine kleine Kapelle. Nein, auch da brennt kein Licht mehr, die Kerzen sind ausgebrannt. Aber die Kapelle ist noch da. Und an solchen Tagen wie heute, da gehe ich manchmal hinein und halte einen Augenblick inne, denke an das, was war und was ist und was sein wird. Und dann winke ich den Bildern an der Wand wie alten Vertrauten, bevor ich gehe, um den Kaktus auf meinem verstaubten Schreibtisch zu gießen, der übersät ist mit vergilbten Karteikarten, auf denen rätselhafte Sachen stehen. Du siehst also, ein ganz unspektakulärer Ort, aber einer, der mit Erinnerungen gefüllt ist.

Freitag, 20. Oktober 2017

Still Thinking

Nein, ich bin nicht zurückgekommen. Ich bin immer noch da draußen und denke nach. Habe nur zwischendurch mal nach der Post gekuckt und den Kaktus gegossen. Nichts Großes. Aber wenn ich schon mal hier bin, dann kann ich gerade ja auch "Hallo" sagen.

Hallo! Seit einem Jahr blogge ich nicht mehr. Ich habe die App von meinem Telefon gelöscht und mache andere Dinge. Ich lese auch nicht, was ich hier geschrieben habe. Das würde mich  nur wehmütig machen, weil es mich an eine Zeit erinnern würde, während der ich jünger war. Jetzt bin ich noch immer jung, im Vergleich meinetwegen zu Patti Smith oder Debbie Harry, zu Paul McCartney oder den Go-Betweens. Aber eben nicht mehr so jung wie zu jener Zeit, als ich hier regelmäßig geschrieben habe.

Wenn man selbst nicht mehr bloggt, dann schaut man auch weniger in andere Blogs. Andere Blogs, die ihrerseits langsam verwaisen. Bis auf wenige, auf rühmliche Ausnahmen, deren Autoren und Autorinnen sich weiter ins Netz einschreiben, like it was 2005.

Sicherlich sind Blogs die redlichste Form der Netzeinschreibung, im Vergleich zu Twitter beispielsweise, das jetzt ordentlich aufs Maul bekommt, obwohl dort früher schon hauptsächlich Unfug geschrieben wurde. Witziger Unfug zuweilen, das gebe ich zu, aber Unfug. Und der Rest ... Über Facebook müssen wir nicht reden. Und sonst gibt es wenig.

Ist das Netz ein Segen? Ich glaube nicht. Es vernetzt uns mit einigen interessanten, netten, großartigen Menschen. Aber es vernetzt uns auch mit all den Arschlöchern dieser Welt, die so unbeschränkt Zugang zu unseren Köpfen kriegen. Es beschleunigt den Warenaustausch, aber geht es uns darum besser? Es stellt eine Menge Wissen zur Verfügung, soviel, dass wir längst den Überblick verloren haben, was richtig und falsch ist.

Und das Netz lehrt uns, dass wir uns mit dem Zweitbesten zufrieden geben. Der Liveversion bei Youtube, weil die Studieversion gesperrt ist. Das billige Ladekabel, weil das Original nicht lieferbar ist. Dem Chat statt der Unterhaltung.

Konsequenzen?  Keine Ahnung. Des Kaktus hat jetzt aber auf jeden Fall genug Wasser. Ich werde dann mal wieder gehen. Vielleicht sieht man sich gelegentich. Lasst euch in der Zwischenzeit nicht verböden. Ciao!

Licht und Schatten