Samstag, 4. März 2006

Im Kasten

Zwar bin ich krank. Zwar ist alles um mich herum Winter und schal und ohne Größe. Aber trotzdem ist heute ein feiner, kleiner, privater Feiertag. ich habe die Rohfassung meines Romans abgeschlossen. Ein langes Stück Weg liegt hinter mir, voller Ungewissheiten, Qualen – aber natürlich auch mit schönen, sublimen Momenten. Jetzt sitze ich hier, versuche meine bohrenden Kopfschmerzen zu ignorieren, höre Monarchie und Alltag von den Fehlfarben und werde den Rest des Tages in fröhliches Stimmung verbringen – against all odds sozusagen.

Dienstag, 14. Februar 2006

My Bloody Valentine

Wäre doch ein guter Tag, um hieraus ein Heulblog zu machen. Gründe genug gäbe es ja: Februar, Valentinstag, Klimawandel, Waldsterben, Vogelgrippe in Deutschland. Ach ja. Ich seufze tief. Mein Whisky ist alle.

Sonntag, 29. Januar 2006

Knapp 4 Stunden Schlaf

Die Müdigkeit schafft eine neue Ebene der Wahrnehmung: Bilder, Töne, Gerüche, alles hat sich verändert, entschleunigt. Ich sehe Metall, das sich mit unendlicher Langsamkeit verbiegt.

Freitag, 13. Januar 2006

Das gebirgige Westfalen

Nun bin ich ja manchmal durchaus auch Naturfreund. So zum Beispiel gestern, als ich mich auf eine Wanderung begab, um das Sauerland näher kennenzulernen. Bislang kannte ich vor allem die Sauerländerinnen. Auch habe ich, damals stand ich in meiner Maienjugendblüte, einmal nahezu eine Alkoholvergiftung erlitten, als ich eine Party im Sauerland musikalisch zu beschallen versucht hatte, denn der Westfale an sich gehört zu der eher trinkfesten Sorte Mensch. Und er singt nicht!

Die Leute also kannte ich. Jetzt hatte ich aufs Land abgesehen. So nahm ich mir einen Rucksack, füllte ihn mit Käsebroten, nahm eine Flasche Orangesaft mit, ein Taschenmesser – und fragte, die ich in solchen Fällen immer frage, ob sie mit mir kommt: Meine Wanderbegleiterin. Meine Wanderbegleiterin hatte zwar einen schlimmen Schnupfen, aber sonst nichts anderes vor an diesem Sonntag, und so kam sie mit mir mit. (Ich liebe das: Mit mir mit, so was sagt ja heute keiner mehr. Aber wie naturverbunden klingt das!)

Wir fuhren mit der Bahn in irgendein sauerländisches Städtchen mit Gleisanschluss. Um für ein wenig Verständnis für das nun folgende aufzubringen, sollten Sie vielleicht wissen, dass ich gerade einmal drei Stunden geschlafen hatte. Hatte ich doch eine wilde Party hinter mir, von der ich um 6:30 Uhr einigermaßen erschöpft zurückgekehrt war.

Nach unserer Ankunft fielen wir erst einmal aus dem Zug und dann über die Käsebrote her. Die Luftveränderung forderte ihren Tribut. Bei meinem Großvater forderte sie noch Skorbut, aber das ist eine andere Geschichte, und vielleicht erzähle ich die später mal. Jetzt aßen wir Käsebrote, und dann begaben wir uns in die sauerländische Schneehölle. Gut, nicht zu vergleichen mit Niederbayern, aber für mich, der ich Schnee eher vorn Partys als vom Rodeln her kenne – ich wohne unweit des Rheins -, schon recht ehrfurchtgebietend.

Leider hatte ich keine Karte mit oder irgendwas anderes, was für die Orientierung hilfreich gewesen wäre: GPS; Galileo, guten Orientierungssinn. Also verliefen wir uns erst einmal im Industriegebiet des kleinen Örtchens. Man denkt ja immer: wenn, dann liegt die Produktivität unseres Landes in den Städten: Dortmund fällt einem da ein, Duisburg und so, Herz aus Stahl. Aber nichts: Der deutsche Wohlstand (bzw. sein Rest) kommt vom Lande. Als ich mit meiner Begleiterin auf öligem Grunde stehend zwischen rostenden Transportkästen stand, der schmelzende Schnee spielte eine lustige Einstürzende-Neubauten-Melodie auf den Kränen, fiel mich diese Erkenntnis geradezu an.

Wahrscheinlich muss ich nicht erwähnen, dass meine Begleiterin ihre Laune erst einmal deutlich herunterfuhr. Einen Industrielehrpfad hatte sie sich nicht gewünscht, da hätte sie doch lieber weiter Die Sendung mit der Maus gekuckt, oder vielleicht Willy will’s wissen.

Als Friedensangebot rückte ich kampflos das letzte Käsebrot heraus, bevor wir den Rückmarsch zum Bahnhof antraten.

Des Ortes Kern war toter noch als jene Sonntagnachmittage in meiner Kindheitserinnerung, die ich bei Tante X und Onkel Y verbringen musste. Ereignislosigkeit ist viel zu aufregend, um diesen Zustand zu bezeichnen. So beschlossen wir, geleitet nur vom Anblick einer verschneiten Koppe, die mich an die Schneekoppe-Werbung aus den 70ern erinnerte, uns am Ortsausgang querfeldein zu bewegen, und das war eine richtige Entscheidung. Zwar war ich, nachdem wir etwa 300 Meter Höhenunterschied hinter uns (bzw. unter uns) gebracht hatten, vollkommen am Ende, aber wir wurden belohnt mit einer so romantischen Winterlandschaft, wie man sie nicht beschreien kann, ohne kitschig zu werden. Meine Begleiterin tollte im Schnee umher, deckte mich mit Schneebällen ein und wälzte sich ausgelassen in der weißen Pracht. Ich genoss, Adalbert Stifter gleich, ruhig schauend die Szene und freute mich.

Zwar könnte ich jetzt noch von der elendig langen Rückfahrt berichten, oder davon, dass es nie gut ist, nicht wenigstens ein Käsebrot zurückzubehalten, aber das führte zu weit. Nur des Sauerlands Lob möchte singen, denn: Westphalia non cantat, und einer muss es ja tun.

Donnerstag, 12. Januar 2006

Kontakt mit Linsen

Tränen im Taxi. Irgendwie saßen die Kontaktlinsen falsch. Die Taxifahrerin erzählte, um mich zu trösten, dass ihr Freund vor zwei Wochen ausgezogen ist. Die Neue ist natürlich jünger. Es ist immer der gleiche Scheiß, sagt sie und schüttelt resigniert den Kopf. Ich suche in meiner Jackentasche nach einem Papiertuch und kann nur nicken. Natürlich hat sie recht! Und ich überlegte, ob ich sie anhalten lassen soll, um auf irgendeiner Wirtshaus-Toilette meine Linsen zu richten. Aber da biegt sie schon in die Straße ein, in der mein Fahrtziel liegt. Also hhalte ich mit zusammengebissenen Zähnen durch: Blöde Eitelkeit. Nächstes Mal setze ich wieder die Brille auf. Auch auf die Gefahr hin, dann nicht so schnell mit netten Taxifahrerinnen ins Gespräch zu kommen. Sie gab mir ihre Karte. Falls ich mal Lust auf 'n Tee hätte oder so. Montags und Dienstags würde sie auch nicht fahren. Ich gebe ihr, wortlos und tränenreich, mehr Trinkgeld, als ich mir eigentlich leisten kann. Und dann haste ich, ihr nur scheinbar lässig nachwinkend, so schnell wie möglich auf die nächste Toilette, um mir die Kontaktlinsen aus den Augen zu nehmen, während ich ein Lied von Kettcar vor mich hinsumme.


Ursprünglich bei Stubenhocker (blog-it.de)

Sonntag, 1. Januar 2006

Silvester Revisited

Zum Weihnachts-Brunch geht es hier.

Hier nun Impressionen des Jahreswechsels:


Vorbereitungen mit Zestenzieher

Bowlensatz-Mantik

So geht das aber nicht!

Street Fighting Men

Ohne Worte





Kleine Weihnachts-Brunch-Retrospektive

Führen etwas im Schilde

Loriot

Familienoberhaupt im Sessel

Dieser Mann denkt Schelmisches

Kontemplation

Klassentreffen

Küchenlatein

Der intellektuelle Blick

Hermann

Lesen mit Morrissey-Brille

Raucherecke

Darf ich vorstellen!

Herzlich willkommen zu einem weiteren Blog mit neuen Nichtigkeiten, die hier in erster Linie in Bildform ihr Zuhause finden sollen. Und bei der Gelegenheit: Ein gutes Jahr 2006!

Mittwoch, 14. Dezember 2005

Sinnkrise mit Phil Collins

Morgens klingelt der Wecker immer recht früh. Zu dieser Jahreszeit ist es noch sehr dunkel, wenn ich mir den Beischlaf aus den Augen reibe (eins meiner liebsten Tucholsky-Zitate übrigens, damit kein Neid aufkommt!) und meinen Hartz-IV-Empfänger einschalte, um mir berichten zu lassen, was es an Neuigkeiten gibt in der Welt. Die Neuigkeiten aber müssen warten, denn jetzt singt erst einmal Phil Collins, und das ist natürlich wichtiger als die Nachrichten des Tages. Mit vollstem Verständnis gieße ich Wasser in meine altmodische Filterkaffeemaschine, ziehe einen zerknitterten Papierfilter aus der Schublade und befülle ihn mit Markenkaffee – kein italienisches Lebensgefühl in Form hochdruckpressender und schaumschlagender Maschinen: soviel Realitätssinn muss sein!

Die Kaffeemaschine röchelt lautstark, so dass der Empfänger keine Chance hat mitzuhalten, und wieder bekomme ich nicht mit, was die Welt Neues erlebt hat, seit ich gestern Abend mein müdes Haupt auf die Kissen legte, in denen es übrigens wimmelt von in monarchistischen Staaten organisierten Kleinstlebewesen. Immer wenn ich mich hinlege, habe ich diese Stern-Reportage im Kopf: „Hausstaubmilben greifen an“. Das zermürbt schon ganz schön. Wenn der Artikel noch ein oder zwei Wochen bei mir nachwirkt, sitze ich bei der nächsten Butterfahrt nach Kitzbühl ganz vorne im Bus, um bei der eingeschobenen Verkaufsveranstaltung mikrobakteriell einwandfreie Kopfkissen und Bettdecken zu erstehen.

Als ich aus dem Haus gehe, stelle ich fest, dass man dieses Jahr die Weihnachtsbeleuchtung eklatant abgerüstet hat. Das Schwarz der neuen Koalition lauert in allen Fenstern – außer den türkischen in meiner Hood, wo es leuchtet, als wäre das feine Wort Energiekrise unübersetzbar. Der Dezember wirkt wie ein verschärfter November, und fast schafft Morrissey es, in meinem Kopf den Kampf gegen Phil Collins zu gewinnen. Aber doch eben nur fast. Denn der alte Phil – so schlecht wie er singt übrigens niemand Deutsch, selbst Nana Mouskuri nicht (mal eben das Fanny-van Dannen-Cover geholt, um zu kucken, wie man die schreibt). Und wer’s nicht glaubt, der schaue sich die deutsche Version des Disney-Tarzans an. Und höre vor allem!

Eins jedenfalls ist sicher: Das Wort Sinnkrise lässt sich nicht ins Collinsche übersetzen. Und jetzt spielen wir etwas von Phil Collins.

Der Stubenhocker wünscht jedenfalls schon einmal ein grandioses neues Jahr! Glaubt mir: Es wird besser werden!


Freitag, 9. Dezember 2005

In Europa war es ja der 9. Dezember 1980. Morgens spielten sie einen ekeligen Elton-John-Song im Radio: "Song for a Guy". In der Schule dann betretenes Schweigen. Ein paar Tage später richteten wir eine Lennon-Wand ein: Jemand aus der Klasse hatte eine große Schwester, die bei der Zeitung arbeitete. Sie besorgte uns das Telefax der Nachrichtenagenur:
... lennon vor seinem haus angeschossen ...
... lennon stirbt an seinen schussverletzungen ...
usw. Der ekelhafte Bryan Ferry maßte sich an "Jealous Guy" zu verhunzen. Überhaupt wurde Lennon auf einmal Allgemeingut. Plötzlich lobte sogar die Ostpresse den "standhaften Anti-Vietnam-Kämpfer". Eine ernsthafte Beschäftigung mit der Musik Lennons wurde schwierig nach dem 8. bzw. 9. Dezember 1980.

Zur Vertiefung des Themas empfehle ich übrigens den netten kleinen Film Paul is Dead (D 2000). Hier wird auch geklärt, wer Lennon wirklich auf dem Gewissen hat. Und dass Paul bereits seit 1966 tot war, wussten wir ja ohnehin!