Freitag, 22. Mai 2009

Vlautin, Mitchell, Diaz und der berühmte Dichter aus Düsseldorf

Ich bin im Augenblick zu faul die Leseliste fortzuführen, deshalb nur dieses hier:

Vlautins Northline (Berlin Verlag) habe ich nach 30 oder 40 Seiten aufgegeben. Sozialreportagen im Stile der Siebziger, dazu ein voll bescheuertes Nachwort. Für die Tonne! Die beiliegende CD taugt immerhin als Soundtrack, wenn man total betrunken ist.

Grandios unterhalten haben mich hingegen Der dreizehnte Monat von David Mitchell (Rowohlt Tb.). Adoleszenzroman und so, aber gut gemacht. Auszusetzen wäre an diesem Opus lediglich, dass es um die Hälfte hätte kürzer sein können. Und dass die Musik hier wirklich nur zur Staffage dient. Ach ja, und lieber Rowohlt Verlag: Das Papier ist saumäßig und stinkt!

Gerade lede ich The Brief Wondrous Life of Oscar Wao von Junot Diaz (Faber & Faber), das sich gut anlässt, sprachlich sehr modern ist, ohne dabei zu nerven, und einige originelle inhaltliche Wendungen hat. Auf den Keks geht diese Spanischhuberei. Wo der Meister schon so viele Fußnoten macht, hätte er den spanischen Kram doch auch mal gleich mit übersetzen können!

Noch was? Ach ja, Heinrich Heines Deutschland, ein Wintermärchen (Reclam, Bahnhofsbuchhandlung) habe ich noch einmal gelesen. Bei Wiedervorlage ein eher dürftig zusammengehauenes Opus!

Kommentare:

kid37 hat gesagt…

Vlautin lese ich auch gerade, die Hälfte habe ich schon geschafft - aber ich frage mich, wozu? Die dröge erzählte Geschichte dröger Leute, die einen an keiner Stelle überrascht.

ignorant hat gesagt…

Gut, kann ich mir Vlautin sparen. Die Vergleiche mit Carver hatten mich sowieso schon abgeschreckt. Seine, also Vlautins Band fand ich durchaus mal interessant, wie alles grimmige Geschrammel mit traurigen Steel-Gitarren, aber ich trage ja auch Holzfällerhemden. Warum schätze ich eigentlich Humorlosigkeit bei Musik, bei Literatur aber überhaupt nicht? Und warum können Rockmusiker keine erzählende Prosa schreiben? Könnte das an besagter Humorlosigkeit liegen?

Beim dreizehnten Monat räume ich höchstens 25% Überlänge ein. Aber die Musikverweise sind in der Tat völlig aufgesetzt und sinnlos. Ich verstehe auch nicht, warum die Kritik gerade darauf so abgefahren ist. (Der Autor hat den Mangel wohl selbst bemerkt, denn dem Vernehmen nach enthielt die Erstfassung des Anfangskapitels noch mehr davon.) Und der Hersteller von Rowohlt sollte in der Tat mal in sich gehen.

Was Heine angeht: Ich kann nur wieder auf meine alte These hinweisen, dass es sich beim Wintermärchen um einen etwas verwinkelten metaliterarischen Scherz handelt, eine um die Ecke gedachte Parodie, der Fusch also beabsichtigt ist. Und man das Wintermärchen verständnishalber eigentlich nur im Zusammenhang mit Atta Troll lesen darf.

Anonym hat gesagt…

@kid37: Treffender kann man das Ding nicht beschreiben!

@ignorant: Nichts gegen Carver (oder seinen Lektor?). Aber im Gegensatz dazu transzendiert bei Vlautin eben gar nichts.
Und beim 13. Monat gehe ich runter auf 33%!
Was mich an Heine stört: Obwohl das Versmaß anders ist, kommt man sich zuweilen vor wie in einer Büttenrede. Und um soetwas zu goutieren, muss man wohl den Karneval im Blut haben.